Es ist ein warmer Oktoberabend. Isabella ist mit Maria in einer Bar in Kreuzberg. Sie feiern Isabellas bestandene Zwischenprüfung. Die Bar, die Maria ausgesucht hat, ist gemütlich und nicht zu laut – perfekt zum Reden.
„Ich bin so froh, dass die Prüfung vorbei ist", sagt Isabella und nimmt einen Schluck von ihrem Wein. „Die letzten Wochen waren wirklich stressig."
„Du hast es verdient, dich zu entspannen", sagt Maria. „Und wer weiß, vielleicht lernst du heute Abend jemanden Interessantes kennen."
Isabella lacht. „Maria, ich habe keine Zeit für eine Beziehung. Die Ausbildung ist anstrengend genug."
In diesem Moment kommt ein junger Mann an ihren Tisch. Er hat dunkle Haare und trägt eine Brille. „Entschuldigung", sagt er höflich. „Ist dieser Stuhl frei?"
„Ja, natürlich", sagt Maria und lächelt Isabella vielsagend an.
Der Mann setzt sich an den Nebentisch. Nach ein paar Minuten dreht er sich zu ihnen um. „Ich hoffe, ich störe nicht, aber ich habe gehört, dass Sie über eine Prüfung gesprochen haben. Darf ich fragen, was Sie studieren?"
„Ich mache eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau", antwortet Isabella. „Und Sie?"
„Ich bin Thomas", sagt er und streckt seine Hand aus. „Ich arbeite als Architekt hier in Berlin. Ich bin vor einem Jahr aus München hierher gezogen."
Sie kommen ins Gespräch. Thomas erzählt, dass er an einem Projekt arbeitet, bei dem alte Gebäude in Berlin renoviert werden. Isabella erzählt von ihrer Ausbildung und davon, wie sie vor anderthalb Jahren aus Italien nach Berlin gekommen ist.
„Das ist beeindruckend", sagt Thomas. „Eine Ausbildung in einer fremden Sprache zu machen, erfordert viel Mut."
„Am Anfang war es schwer", gibt Isabella zu. „Aber ich hatte Glück. Ich habe Menschen getroffen, die mir geholfen haben."
Maria, die merkt, dass die beiden sich gut verstehen, sagt plötzlich: „Oh, ich muss morgen früh aufstehen. Ich glaube, ich gehe jetzt nach Hause."
„Schon?", fragt Isabella überrascht.
„Ja, aber du kannst gerne noch bleiben", sagt Maria und zwinkert ihr zu.
Nachdem Maria gegangen ist, unterhalten sich Isabella und Thomas weiter. Er fragt sie nach ihrem Leben in Berlin, nach ihren Träumen und Plänen.
„Möchtest du für immer in Deutschland bleiben?", fragt Thomas.
„Ich denke schon", sagt Isabella nachdenklich. „Berlin ist meine Heimat geworden. Natürlich vermisse ich Italien manchmal, aber hier habe ich mein Leben aufgebaut."
„Ich verstehe das", sagt Thomas. „Obwohl ich aus Deutschland komme, war der Umzug von München nach Berlin auch eine große Veränderung. Die beiden Städte sind sehr unterschiedlich."
Sie sprechen über ihre Lieblingsplätze in Berlin. Thomas erzählt von einem kleinen Park in Prenzlauer Berg, den kaum jemand kennt. Isabella erzählt vom Landwehrkanal, wo sie oft spazieren geht.
„Vielleicht könnten wir zusammen dorthin gehen", schlägt Thomas vor. „Ich würde gerne mehr von deinen Lieblingsorten sehen."
Isabella lächelt. „Das wäre schön."
Sie tauschen Telefonnummern aus. Als Isabella später nach Hause fährt, denkt sie über den Abend nach. Thomas war nett, intelligent und interessiert. Aber sie ist unsicher. Sollte sie sich auf eine Beziehung einlassen? Ihre Ausbildung ist anspruchsvoll, und sie hat wenig Freizeit.
Am nächsten Tag ruft Maria an. „Und? Wie war es mit Thomas?"
„Er ist nett", sagt Isabella vorsichtig. „Wir haben uns gut unterhalten."
„Nur nett?", fragt Maria. „Komm schon, ich habe gesehen, wie ihr euch angeschaut habt!"
Isabella lacht. „Okay, er gefällt mir. Aber ich weiß nicht, ob ich Zeit für eine Beziehung habe."
„Isabella", sagt Maria ernst. „Du arbeitest so hart. Du verdienst es auch, glücklich zu sein und Spaß zu haben. Eine Beziehung muss nicht kompliziert sein."
Ein paar Tage später schreibt Thomas Isabella eine Nachricht: „Hallo Isabella, ich habe an unseren Abend gedacht. Hättest du Lust, am Wochenende etwas zu unternehmen? Ich könnte dir den Park zeigen, von dem ich erzählt habe."
Isabella zögert einen Moment, dann antwortet sie: „Ja, gerne. Wann und wo treffen wir uns?"
Am Samstag treffen sie sich in Prenzlauer Berg. Der Park, den Thomas ihr zeigen will, ist wirklich wunderschön. Es gibt alte Bäume, einen kleinen Teich und wenige Menschen.
„Das ist mein Lieblingsort in Berlin", sagt Thomas. „Hierher komme ich, wenn ich nachdenken oder mich entspannen möchte."
Sie setzen sich auf eine Bank. Thomas erzählt von seiner Arbeit, von den Herausforderungen, alte Gebäude zu renovieren, ohne ihren Charakter zu verlieren. Isabella erzählt von ihrem Restaurant, von Lorenzo und den Kollegen, von den schwierigen Gästen und den schönen Momenten.
„Du liebst deinen Beruf, oder?", fragt Thomas.
„Ja", sagt Isabella. „Es ist nicht immer einfach, aber es macht mir Spaß. Ich mag es, Menschen glücklich zu machen."
„Das ist eine schöne Einstellung", sagt Thomas.
Als die Sonne untergeht, gehen sie zusammen essen. Thomas kennt ein kleines italienisches Restaurant – nicht La Dolce Vita, aber ein anderes, das authentische italienische Küche serviert.
„Ich dachte, du hättest vielleicht Heimweh nach italienischem Essen", sagt Thomas.
Isabella ist gerührt von der Geste. Sie verbringen einen wunderbaren Abend. Als Thomas sie nach Hause bringt, fragt er: „Darf ich dich wiedersehen?"
„Ja", sagt Isabella ohne zu zögern. „Das würde ich gerne."
Zu Hause schreibt Isabella in ihr Tagebuch: „Heute war ein besonderer Tag. Ich habe Zeit mit Thomas verbracht, und es war schön. Vielleicht hat Maria recht. Vielleicht verdiene ich es, auch an mein persönliches Glück zu denken, nicht nur an meine Karriere. Mal sehen, was passiert."