Es ist September, und Isabella ist nervös. In zwei Wochen steht ihre Zwischenprüfung an – eine wichtige Prüfung, die zeigen soll, ob sie in ihrer Ausbildung zur Restaurantfachfrau gut vorankommt. Die Prüfung besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil.
„Wenn ich diese Prüfung nicht bestehen würde, müsste ich die Ausbildung wiederholen", sagt Isabella zu Maria. „Das wäre schrecklich. Ich habe schon so viel Zeit investiert."
„Du wirst es schaffen", beruhigt Maria sie. „Du hast in den letzten Monaten so hart gearbeitet. Außerdem bist du eine der besten Auszubildenden, die wir je hatten."
Isabella ist nicht so überzeugt. Sie hatte in der Berufsschule einige Schwierigkeiten mit den Fachbegriffen. Obwohl ihr Deutsch inzwischen sehr gut ist, sind manche Wörter aus der Gastronomie immer noch kompliziert. Begriffe wie Mise en place, Amuse-Gueule oder Degorgieren hatte sie vor der Ausbildung nie gehört.
Am Abend sitzt Isabella in ihrer Wohnung und lernt. Sie hat alle ihre Unterlagen ausgebreitet – Notizen aus der Berufsschule, Arbeitsblätter, Fachbücher. Ihr Handy klingelt. Es ist Lena, ihre Mitschülerin aus der Berufsschule.
„Hey Isabella, ich wollte fragen, ob wir zusammen lernen könnten", sagt Lena. „Zu zweit ist es vielleicht einfacher."
„Das ist eine gute Idee", antwortet Isabella erleichtert. „Ich könnte wirklich Hilfe gebrauchen."
Am nächsten Tag treffen sie sich in einem Café. Sie gehen die Prüfungsthemen durch: Servicearten, Weinkunde, Menüplanung, Hygiene, Kalkulation.
„Weißt du noch, was der Unterschied zwischen französischem und russischem Service ist?", fragt Lena.
Isabella denkt nach. „Beim französischen Service wird das Essen auf einer Platte präsentiert und dann am Tisch portioniert. Beim russischen Service wird es in der Küche portioniert und dann serviert."
„Genau!", sagt Lena. „Und was ist mit dem englischen Service?"
„Da trägt der Gast sich selbst auf", antwortet Isabella. „Das wird oft bei Buffets verwendet."
Sie lernen stundenlang zusammen. Isabella merkt, dass es ihr hilft, die Themen laut zu wiederholen. Vieles, was sie in der Theorie gelernt hatte, macht jetzt mehr Sinn.
Eine Woche vor der Prüfung organisiert Lorenzo eine Übungssituation im Restaurant. „Isabella, stell dir vor, du hättest einen sehr anspruchsvollen Gast", sagt er. „Er beschwert sich über das Essen. Wie würdest du reagieren?"
Isabella atmet tief durch. Sie erinnert sich an das, was sie gelernt hat: Ruhe bewahren, dem Gast zuhören, eine Lösung anbieten.
„Guten Abend", sagt sie höflich. „Es tut mir sehr leid, dass Sie mit dem Essen nicht zufrieden sind. Könnten Sie mir bitte erklären, was genau das Problem ist? Ich würde Ihnen gerne eine Alternative anbieten oder das Gericht durch den Koch neu zubereiten lassen."
Lorenzo nickt zufrieden. „Sehr gut. Du bleibst ruhig und professionell. Das ist genau das, was in der Prüfung erwartet wird."
Am Tag der Prüfung ist Isabella früh wach. Sie hatte in der Nacht kaum geschlafen. Immer wieder waren ihr Fragen durch den Kopf gegangen: Was, wenn ich etwas Wichtiges vergessen habe? Was, wenn ich zu nervös bin und Fehler mache?
Die theoretische Prüfung findet in der Berufsschule statt. Isabella sitzt in einem großen Raum mit anderen Auszubildenden. Die Prüfungsbögen werden verteilt. Sie schaut sich die Fragen an und atmet erleichtert auf. Die meisten Themen hatte sie gründlich gelernt.
Sie beantwortet die Fragen konzentriert. Manche sind einfach, andere erfordern mehr Nachdenken. Nach zwei Stunden ist sie fertig. Sie gibt ihren Prüfungsbogen ab und verlässt den Raum.
„Wie war es?", fragt Lena, die draußen wartet.
„Ich glaube, es war okay", sagt Isabella vorsichtig. „Aber ich bin mir bei ein paar Fragen nicht sicher."
Am nächsten Tag ist die praktische Prüfung. Isabella muss in einem Prüfungsrestaurant arbeiten. Sie bekommt verschiedene Aufgaben: einen Tisch eindecken, Wein servieren, eine Beschwerde bearbeiten, eine Rechnung erstellen.
Die Prüfer beobachten jede ihrer Bewegungen. Isabella versucht, ruhig zu bleiben. Sie erinnert sich an alles, was sie gelernt hat. Beim Weinservieren achtet sie darauf, dass das Etikett zum Gast zeigt. Beim Tischdecken platziert sie Gabel, Messer und Glas genau richtig.
Nach drei Stunden ist die Prüfung vorbei. Isabella ist erschöpft, aber auch erleichtert. Sie hat ihr Bestes gegeben.
Zwei Wochen später bekommt sie einen Brief. Mit zitternden Händen öffnet sie ihn. „Herzlichen Glückwunsch! Sie haben die Zwischenprüfung mit der Note gut bestanden."
Isabella schreit vor Freude. Sie ruft sofort ihre Mutter an. „Mama, ich habe bestanden! Ich habe die Prüfung geschafft!"
„Mia cara, ich bin so stolz auf dich!", sagt ihre Mutter. „Du hast so hart gearbeitet. Das hast du verdient."
Am Abend feiert Isabella mit ihren Freunden im Restaurant. Lorenzo hebt sein Glas: „Auf Isabella! Du hast bewiesen, dass du eine ausgezeichnete Restaurantfachfrau werden wirst."
Isabella lächelt glücklich. Sie denkt daran, wie unsicher sie vor der Prüfung war. Aber sie hatte nicht aufgegeben. Sie hatte gelernt, gekämpft und es geschafft. Das war ein wichtiger Schritt in ihrer Ausbildung – und in ihrem Leben in Deutschland.